Die Küste hat nun definitiv ihr Gesicht verändert.
Seit heute Morgen wirkt alles kälter, stiller und fremder. Zwischen dunklen Felsinseln und zerklüfteten Ufern ziehen schwere Nebelbänke über den Fjord. Gleichzeitig öffnet sich das Meer hier erstmals zu einer gewaltigen Weite.
Von den vielen Möwen und Seehunden ist inzwischen kaum noch etwas zu sehen. Fast so, als würden sie diesen Ort meiden.
Auch die Fahrt wird zunehmend gefährlich. Immer wieder ragen Felsen aus der Dünung. Manche tauchen so überraschend auf, dass ich mit der Aurora nur knapp an ihnen vorbeikomme.
Und dann ist da noch die vergangene Nacht.
Ich könnte schwören, weit draussen im Nebel ein tiefes, dumpfes Grollen gehört zu haben. Wie ferner Donner, doch weit und breit war kein Gewitter.
Später glaubte ich sogar, einen einzelnen Glockenschlag zu hören.
Vielleicht spielen mir Müdigkeit und Einsamkeit langsam Streiche. Doch die alten Aufzeichnungen berichteten von ganz ähnlichen Geräuschen.
Je weiter ich komme, desto dichter wird der Nebel. Das Licht ist grau und gedämpft, die Luft unangenehm kalt. Diese Gegend wirkt inzwischen alles andere als einladend.
Dann entdecke ich weit voraus etwas.
Ein kleines, bernsteinfarbenes Leuchten. Es scheint von einer entfernten Klippe zu kommen, die beinahe vollständig im Nebel verborgen liegt. Immer wieder verschwindet es und taucht kurz darauf erneut auf.
Ein Feuer? Ein Signal? Wer sollte hier draussen sein?
Nach allem, was ich gesehen und gehört habe, bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher:
Ich habe die Nebelküste erreicht.
Und dieses Licht werde ich mir genauer ansehen.
Wobei ...
Was hatte Elias noch gleich in seinem Brief geschrieben?
«Traue keinem Licht und keiner Stimme im Nebel!»
Hm. Vielleicht sollte ich auf ihn hören.
Aber ein kleines Stück näher kann ich doch wohl heransegeln. Nur um zu sehen, was sich dort verbirgt.
Ganz vorsichtig natürlich.